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Ich zog meinen Hut weiter ins Gesicht und schritt schneller durch den Regen. Mein Blick war auf den Boden gerichtet. Zwischen Steinen, Wasser und Schlamm sah ich plötzlich eine ganze durchnässte Zigarette. Ruckartig blieb ich stehen und dachte nach.
„Inspektor! Hier sind wir. Haben Sie es schon gehört?“, unterbrach mich der junge Polizeinachwuchs.
Entnervt sah ich hoch. Vom Regen durchnässt, sah ich ihn schaudernd an, wie er auf mich zu kam. Egal ob er ein paar Jährchen jünger war als ich oder nicht, ohne Mantel im Regen? Mit diesem Gedanken ging ich ihm entgegen.
Als der Mann glücklich neben mir her trottete erzählte er mir: „Der Brand wurde um 9 Uhr gemeldet, von einer Frau Klein. So weit ich weiß ist sie die Nachbarin des verstorbenen Herr Finz. Somit kommen wir zur Leiche. Der Befund liegt noch nicht vor, aber es steht fest das er erschossen wurde. Eine Frau oder Verwandte hatte er nicht. Von Beruf war der arme Mann Bankangestellter und ob er Feinde hatte wissen wir noch nicht. Im Moment vernehmen wir noch seine Nachbarn. Also erstmal Frau Klein und dann noch Frau und Herr Weber. Eben so eine bildhübsche, junge Frau mit ihrer Tochter. Sie heißt Frau Lieba und ist erst 25 Jahre alt. Ihre Tochter ist sechs Jahre alt. Oh, da sind wir ja schon. Herr Schwarz ist da!“
Schon fast peinlich lief es ab. Alle sahen den jungen Mann an und drehten sich wieder zu ihrer Arbeit um. Jeder kannte den neuen, immer nervösen und übermotivierten Lehrling Kinz. Als ich mich zu Kinz umdrehen wollte sah ich, dass er schon wieder los reden wollte. Als würde er nicht den lieben langen Tag reden.
„Können Sie mir sagen ob“, unterbrach ich ihm bevor er überhaupt noch anfing zu reden, „Herr Finz Raucher war?“
„Nein Herr Schwarz. Diese kleine Gegend hat nur ca. 980 Einwohner und nur 9,7% sind Raucher. Von den 9,7% Raucher sind immerhin 4,17% Jugendliche. Wenn Sie mich fragen gönnt diese Stadt sich nichts.“
Daraufhin kramte der Nachwuchs Polizist in seiner Tasche und zog eine Zigarette heraus. Da ich aber überzeugter Nichtraucher bin, forderte ich ihn auf sich keine zu gönnen, da es ein Tatort ist. Darauf hin machte er sich mal wieder Vorwürfe und lies mich sprichwörtlich im Regen stehen. Schließlich schlenderte ich zu einem der Männer die gerade Spuren sicherten, beugte mich zu ihm und fragte höflich: „Würde etwas wirklich wichtiges gefunden?“
Der geschickte Mann lächelte und drehte sich zu mir und dachte nach. Nach einiger Zeit erwiderte er: „Sie haben schon Recht. Herr Finz lässt das wichtigste immer weg. Das Haus hat einiges ab bekommen, betreten Sie es nicht, da vollkommen verbrannt, genau so wie die Leiche. Man könnte aber einige Bilder mit Frauen aus dieser Gemeinde finden. Einige Bewohner konnten uns bestätigen das er mehrere Liebschaften hatte.“
Langsam begann der Fall mich zu interessieren: „Sagen sie wie alt war das Opfer?“
„49 Jahre“
„Was? Das passt mir aber gar nicht! Was soll man machen. Sagen sie fand man ein Bild von Frau Klein im Haus?“
„Ja, von wo wissen sie das jetzt schon wieder? Manchmal sind Sie mir ein Rätsel.“
„Hatte das Opfer etwas um den Hals?“, fragte ich, denn immer wieder taten sich neue Lösungswege des Falles auf.
„Ja, verdammt noch mal. Sagen sie mir von wo wissen Sie den das schon wieder? Es war ein Goldener Anhänger. Er ist etwas unter der Hitze geschmolzen. Das Foto darin könnte man jedoch leider nicht mehr erkennen. Was sicher ist, es war eine sehr junge Person.“
Während ich dem tüchtigen Arbeiter bei seiner schwierigen Arbeit zusah, rollte sich für mich der Fall auf. Plötzlich fiel mir etwas ein. Zielsicher ging ich zum Haus. Vor der Eingangstür standen zwei Polizisten die mich aufhielten, als ich ins Haus gehen wollte.
„Sind sie lebensmüde?! Dieses Haus ist einsturztgefährdet!“, baffte der eine Polizist mich an ohne zu beachten wer ich war.
Selbst ist der Mann dachte ich, also antwortete ich: „Meine Herren, ich habe eine Befugnis.“
Daraufhin zeigte ich ihnen meinen Pass und die Befugnis.
„Sie sind ja der Herr Schwarz!“, sagte der zweite Mann im Amt.
„Wissen Sie, auf dem Revier sind sie der Held. Man sagt Sie lösen jeden Fall ohne mit der Wimper zu zucken.“
„Sehen Sie mal her.“, erwiderte ich gerührt und zwinkerte.
„Ich habe den Fall fast gelöst und habe aber mit der Wimper gezuckt.“
Erstaunt sahen mich die beiden an. Ich drehte mich zur Tür, nahm einen vorbei gehenden Mann einen Helm aus der Hand und setzte ihn mir auf. Endlich aus dem Regen raus kam ich ins Haus. Auch hier tropfte es, da das Dach durch den Brand mehr als undicht war und das Löschen hatte massig Pfützen am Boden hinterlassen. Ich konnte diesem elenden Nass einfach nicht entkommen. Es gab außerdem noch einen schrecklichen, beißenden Gestank nach Rauch.
Ich sah mich kurz um. Was einem sofort in Aug stach war ein etwas schlecht gezeichneter Kreis. Ein paar Schritte näher, kniete ich mich hin und fuhr mit dem Zeigefinger über die weiße Farbe. Ich roch kurz daran und lachte. Dann stand ich auf und fasste meine Lieblingsgewohnheit wieder auf. Ich sprach zu mir selbst.
„Also Kinz dürfe hier gewesen sein. Nur ein Anfänger malt die Umrisse einer Leiche nach. Wir sind im 21 Jahrhundert, dass sollte ihm mal einer sagen. Ich sollte wieder zum Fall kommen. Soweit ich das aus Kinz Zeichnung lesen kann, dürfte das Opfer in Boxerstellung gelegen sein. Also ganz typisch.“
Doch ein großer Mann kam in den Raum und begrüßte Schwarz: „Na Schwarz. Haben Sie den Fall schon gelöst?“
Missmutig sah ich ihn an und antwortete: „Oberpolizeimeister Rostamian, ein stolzer Name. Zu Ihrer Frage, Sie haben mich beim denken gestört. Ich bin noch beim lösen. Sagen Sie, wo sind den die Nachbarn, kann ich mit ihnen reden?“
Der Mann lächelte mich gezwungen an und führte mich aus dem Haus in den leider noch schwachen Nieselregen. Hinter dem Haus in einem Kleinbus haben sich einige Menschen vor dem Regen geschützt. Ich wünschte ich könnte auch hinein. Als wir ankamen fragte ein Ehepaar gerade einen Polizisten, ob sie schon gehen können.
„Nein, Frau und Herr Weber, es tut mir leid, aber Herr Schwarz möchte sie noch was fragen.“
Ich stellte mich neben den netten Kollegen und stellte mich vor. Dann schüttelte ich einige Hände und fragte, ob jemand eine Zigarette hätte.
„Es tut mir leid ich bin strikter Nichtraucher. So wie mein Mann.“, antwortete Frau Weber sofort.
Auch Frau Klein sagte sie rauche nicht. Doch wie ich mir es gedacht habe suchte Frau Lieba nach einer. Während die wirklich nette Frau nach einer suchte, sah ich mir die anderen Verdächtigen an. Herr Weber lass in einem typischen Klatsch und Tratsch Magazin. Frau Weber sah sich etwas nervös um und Frau Klein hatte sehr feuchte Augen. Nach einiger Zeit sagte Frau Lieba: „Ich muss meine letzte Zigarette verloren haben.“
„Ist schon gut, dann rauche ich später eine. Ich stelle Ihnen nun ein paar Fragen. Beantworten Sie sie aber wahrheitsgetreu.
Hatte jemand von ihnen eine engere Beziehung zu dem Verstorbenen?
Hatte jemand von ihnen einen zweit Schlüssel?
Ist jemand von ihnen Linkshändler?
War einer von ihnen Gestern auf der Bank?
Ist jemand von ihnen gerade krank?
Beobachtet jemand von ihnen gerne Sterne?“

„Schwarz, haben Sie etwas heraus gefunden?“, fragte mich der Oberpolizeimeister nach meinen Verhör.
Mit einem verschmitzten Grinsen antwortete ich ihm: „Keiner von diesen Personen sagte mir, ob er eine engere Beziehungen zu dem Verstorbenen hatte. Außerdem hat man mir gesagt, dass die Tür von Herrn Finz immer offen war. Das heißt, jeder konnte jederzeit ins Haus. Im weiteren ist keiner Linkshändler. Was ich sehr interessant finde ist, dass Frau Lieba meint, sie wäre Gestern nicht auf der Bank gewesen. Herr Weber meinte dann jedoch, er wäre dort gewesen und sah das Opfer und sie streiten. Keiner von den Nachbarn ist krank und Herr Weber meint er beobachtet gerne Sterne. Wobei als er mir das sagte, war Frau Weber besonders nervös und war sichtlich erschrocken.“
„Aus Ihnen werde ich nicht schlau. Wissen sie nun wer der Mörder ist?“, fragte Rostamian ungeduldig und sichtlich genervt.
Ich lachte ihm entgegnete und antwortete knapp: „Ja.“