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Alle Handlungen geschahen blitzschnell zur selben Zeit, und ehe man es wahrgenehmen konnte, war es bereits zu Ende. Zwei Fahrzeuge schnitten sich inmitten der Kreuzung mit immensen Geschwindigkeiten. Die Fahrer versuchten ihr Bestes, die Insassen schrien, und wurden mit gewaltiger Kraft umher geschleudert. Nachfolgende Autos versuchten dem Unfallgeschehen auszuweichen und das Quietschende von Reifen erfüllte die Luft. Das Entsetzten zeichnete sich an den Fußgängern am Randstein ab, doch nur wenige von ihnen, sahen den Engel am Rücksitz des eisblauen Fahrzeuges.
Bereits im nächsten Moment befand sich das eisblaue Auto auf der anderen Seite der Kreuzung und war zum Stillstand gekommen, ohne größeren Schaden. Auch die anderen Fahrzeuge konnten eine ernsthafte Kollision vermeiden. Stimmen schrien immer noch von Panik erfasst, andere seufzten erleichtert auf und weitere telefonierten bereits mit Einsatztruppen.
Ein junger Mann saß, vom beinahe geschehenen Unfall unbeeindruckt, direkt neben der Kreuzung. Doch niemand beachtete ihn. Frustriert sah er von einem Fahrzeug zum nächsten, während seine Gedanken sich immer und immer wieder überschlugen. ‘Das sollte ein perfektes Werk werden, voller Schmerz und Tod.’ Er riss den Kopf herum und starrte auf das eisblaue Auto. Von der Rückbank stieg zitternd eine Studentin aus. Er sah ihr zu, wie sie sich an den Kopf fasste und zu anderen Menschen sprach. Wie hypnotisiert verfolgte er jede ihrer Bewegungen, denn sie hatte alles zerstört, was er geplant und vorbereitet hatte. ‘Nie, noch nie,… habe ich einen von ihnen gesehen.’
Lächelnd saß er auch noch da, als die Straßen von blauen Lichtern geflutet wurden. Seine Lippen formten immer wieder die Worte, welche seine Begierde ausdrückten. Doch egal welche Worte er fand, sie beschrieben nie, was er in ihr sah. Sein Blick wurde immer durchdringender, und als ob sie es fühlen wurde, wandte sie sich zu ihm um. Doch ihr Blick lief ins Leere, er war für sie nicht sichtbar.
“Wie überraschend, Mädchen.”, er genoss jede Sekunde, die sie ihn ansah, “Du hast das wahre Blut eine Ara.”
Die letzten Worte wurden für ihn immer unbedeutender und der Wunsch ihre Nähe auf ewig zu spüren, ihre Haut zu berühren und ihren Körper das seine zu nennen, wurde immer stärker. Doch sie lies den Blick von ihm ab und brach den Bann, welchen sie über ihn legte. Verzweifelt erwischte er sich dabei, wir er aufgesprungen war und einige Schritte in ihre Richtung machte, doch dann blieb er stehen.
“Du wirst mein sein.”
Begierig beobachtete der junge Mann, wie ein Schauer ihren ganzen Körper durchlief und sie, auch nur für einen kurzen Augenblick, wieder zu ihm sah. Lächelnd zwang er sich in eine andere Richtung zu sehen und verschwamm langsam in seiner Umgebung.

Ungeduldig stand er an einem Baum gelehnt. Die Vorfreude in ihm schien jede Faser seines Körpers zerreißen zu wollen und er hielt es kaum mehr aus, auf sie zu warten. ‘Komm schon, Mädchen.’ Obwohl er wusste, wie gewagt sein Vorhaben war, war er gezwungen es zu tun, und wenn er die größte Strafe dafür erhalten würde, seine Seele schrie nach ihr. Diesmal war es anders. Ihr Auftauchen konnte er in seinem ganzen Körper spüren und es beinahe mit der Hand ergreifen.
Das eisblaue Auto tauchte zwischen den Bäumen auf und fuhr elegant die wendige Waldstraße entlang. Jede Sehne seines Körpers spannte sich und wie selbstverständlich trat er an die Straße heran. In diesem Moment verlor der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug, quietschend raste der Wagen frontal auf einen Baum zu.
Es schien seine Brust vor Freude zu zerreißen, als der Engel auf der Rückbank erschien. Seine Begierde und seine Wünsche drohten seinen Körper zu sprengen, als sie ihm den Gefallen tat, zwischen all den Motorgeräuschen und quietschenden Reifen, zu schreien.
Das Fahrzeug riss in letzter Sekunde noch um und das donnernde Geräusch von verformenden Metall lag in der Luft, als das eisblaue Auto den Baum seitlich streifte und das Auto schwer beschädigte. Nach weiteren Metern blieb das Fahrzeug schließlich stehen. Fasziniert sah er wie der Engel sich mühsam, in dem vom Menschen erschaffenen Käfig, vor beugte und die Hand auf die Schulter des Fahrers legte.
Dann fiel der Engel.
Er spürte den Schmerz und den Tod, wie er vom Menschen seine kalte Hand nahm und begann den Engel zu umklammern. Panisch sah er die Folgen seiner Handlung. ‘Mädchen, Ara, nicht! Du darfst nicht!’, panisch hallten die Worte in seinem Kopf, als er zum Fahrzeug rannte und die verbeulte Tür mit Leichtigkeit aufriss. Vorsichtig nahm er ihren Körper. Aber die Begierde, die ihn zuvor erfasst hätte, war verschwunden. Ihre Augen sahen ihn nicht an und kein Schauer würde bei seinen Worten durch ihren Körper huschen.