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“… nicht normal! Was zum Gott bist du?” Aufgebracht springt Armin auf und starrt Gabriele an. Hinter ihm kichert Ted.
“Na, da hast es eh schon. Sie ist dein Gott.”, sagt lachend Ted, als er ihm auf die Schulter klopft.
“Was?”, spuckt ihm Armin entgegen, als er sich zu ihm umdreht.
“Sie ist Gott.”, wiederholt er langsam und mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Sprachlos schaut Armin die Gesichter in der Runde an. ‘Das kann doch nur ein Witz sein.’, versucht er sich zu sagen, doch die ernsten Gesichter um ihn herum sagen ihm das Gegenteil. Er kam hier her, vorbereitet darauf, etwas zu herauszufinden, dass er für unmöglich hielt, aber nicht für so unmöglich!
Schließlich sieht er als letztes auf Gabriele. Sie hat bisher nicht viel gesprochen. ‘Ein Gott?!’
“Du, ihr, ahm”, beginnt er zögerlich, “wollt mir also sagen, dass Gabriele ein Gott ist?”
Pavel, welcher sich während Armins Beschuldigungen schützend vor Gabriele gestellt hat, nickt ihm zu.
“Ein Gott?”, fragt er weiter ungläubig nach. Seine Gedanken tosen in seinem Kopf und schafft es kaum sie irgendwie zu ordnen.
“Geh, hättest net..”, sagt Ted und schaut ihm über die Schulter. Aber Armin stoßt seine Hand endlich weg und starrt dann wieder auf Gabriele.
“Verstehn wir uns richtig? Ein richtiger Gott? Ich mein, der Gott der die Welt in sieben Tagen erschaffen hat oder was auch immer?” Armin verliert wieder seine Beherrschung und seine Stimme wird immer lauter und hallt in dem großen leeren Raum.
“Ein Gott, der es sich dann bequemt und auf einem Forschungsinstitut arbeitet?”, zunehmend klang er zynischer und sarkastischer, “Der, weil, ich weiß ja nicht, noch nicht genug erschaffen hat, mit einem Kriminellen sich …”
“Na, am Rande der Legalität triffst eher!”, wirft Ted ein, doch es geht in Armins Redefluss unter.
“… zusammentut um einen Gynoide zu bauen?! Aber weil der besagte Gott nicht mächtig genug ist, verwickelt er, oder warte, sie, zuminderst nehme ich an, du bist ein weiblicher Gott… auf jeden Fall noch einen angesehen Wissenschaftler in die ganze Sache!”
Ria antwortet knapp auf eine Frage von Pavel und er nickt ihr dankend zu, bevor er sich wieder zu Armin wendet, welcher ihn herabblickend anschaut. Doch dann nimmt Gabriele wieder Armins volle Aufmerksamkeit ein.
“Und dann gehst du in Krankenstand? Bist du nicht Gott? Wie kannst du da krank sein?! Ein Gott? Das ich nicht lache. Du spielst mit jedem, wie du willst. Ich hab mit viel gerechnet, aber nicht mit so einer Ausrede! Ich hätte es von Anfang an wissen sollen!”
“Es ist die Wahrheit, sie ist Gott.”, erklärt Pavel vergebens und fügt flüsternd hinzu, “Ich weiß es.”
“Sagt der Priester, der vor Erregung sich nichtmal im selben Raum wie sein Gott aufhalten kann?”
“Armin, das reicht. Das war taktlos.”, mischt Walter sich ein.
“Seit wann spielst du dieses Spiel schon mit? Das ihr dieses Ding erschaffen habt, was hast du dir bei Gott, nein, das mein ich nicht. Was hast du dir einfach dabei gedacht?”
Walter schaut ihn nicht an und erwidert nichts.
“Es gibt einen Grund, wieso Androiden mit einer freien KI verboten wurden! Schau dir dieses Ding doch an!”, wild fuchtelnd zeigt er auf Ria. “Es versucht ein Mensch zu sein!”
“NEIN, NIE!”, schreit Ria und will sich auf Armin stürzten. Doch Gabriele hält sie zurück. Während die meisten das Handeln von Ria nicht überrascht, hat sich pure Fassungslosigkeit auf den Gesichtern von Walter und Armin ausgebreitet.
Ria dreht sich Hilfe suchend zu Gabriele um, welche sie immer noch am Arm festhält.
“Du weißt es! Es ist schrecklich ein Mensch zu sein!”
Es ist ruhig für einen kurzen Moment und Ria entspannt sich wieder und tritt beschämt einen Schritt von Armin weg. Als sie Gabriele zunickt, lässt diese sie auch los. Armin schüttelt den Kopf.
“Wenn du wirklich Gott bist … was hast du dir dabei gedacht diese Welt zu schaffen?!”
Gabriele holt tief Luft. Als sie spricht, klingt es als würde ihr die Geduld ausgehen einem Kind etwas zu erklären.
“Ich habe diese Welt nicht erschaffen. Das …”
“Wer war es denn sonst?”, lacht Armin plötzlich los.
Gabriele seufzt, sieht ihn aber weiter in die Augen.
“Mein anderes ich.”, sagt sie knapp.
“Dein anderes ich?”, Armins Blick wandert kurz zu Pavel und zu Walter. Beide schienen nicht überrascht. ‘Ist das wirklich ihr ernst?’, dachte er.
Im Hintergrund kichert Ted vor sich hin, weil er wusste, dass Armin es nicht verstehen würde. Doch dieser nahm ihn nicht wahr.
Armin schlägt sich die Hände ins Gesicht um sich aufzuwecken und reibt sich dann über die Augen, als würde er nach einem schlechten Traum aufwachen.
“Das ganze, du, also ihr wollts mir also alle erklären, dass vor mir ein schizophrener Gott sitzt, dessen zweite Hälfte kränklich ist und sich aus Langeweile oder was auch immer sich einen humanoiden Roboter gebaut hat, ha, ich mein, sogar falsche Papiere für ihn besorgt hat …”
“Das war die Kleine selber.”, macht sich Ted wieder wichtig und Ria wirft ihm einen bösen Blick zu.
“Nicht, aber, ich, aber, wieso in der Forschung?”, Teds Bemerkung dürften Armin komplett aus dem Konzept gebracht haben, “Wieso? Wenn die Ergebnisse publik werden. Wenn die Existenz dieses Dings publik wird.” Armin sieht auf Pavel.
“Das ein Priester, … mehr Ironie geht doch gar nicht mehr.”
Armin schüttelt den Kopf.
“Wieso konntest du nicht einfach sagen du bist ein Alien?”
“Woh, hätt ich nicht erwartet, dass du das noch akzeptierst.”, zuerkennend klopft Ted ihm wieder auf die Schulter.
“Nein tu ich nicht, tu ich nicht … nein.”, stammelt Armin zwischen seinen Händen hervor, die er sich wieder ins Gesicht geschlagen hat.