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Jeff sah in die linke untere Ecke seines Bildschirms in der eine Benachrichtigung aufpopte. Noch bevor sie verschwand, machte sich ein breiter Grinser auf seinem Gesicht breit. Er sah kurz über den Code den er gerade schrieb, fügte eine TO-DO Notiz an die Stelle, die er gerade bearbeitete und speicherte. Bevor er Mike neben sich antipte, sperrte er seinen Bildschirm.
“Soll ich dir auch einen Kaffee mitnehmen?”
Sein Kollege nickte nur kurz. Jeff rollte mit dem Sessel ein Stück zurück und stand auf. Er nahm seinen Kaffee-Chip vom Tisch und schlenderte zur Tür. An Tagen an denen Nick nicht im Büro war, war es viel zu ruhig. Da freute ihn die Aussicht auf die neue junge Kollegin aus der Nachbarsabteilung um so mehr. Es stimmte zwar, dass er sie ursprünglich angesprochen hatte, um etwas mit ihr zu flirten, doch mitlerweile hatte sich das Ganze zu einem ganz anderen Ritual entwickelt. Als er die Tür öffnete, wartete Michi bereits auf ihn.
Beil dich, deutete er und Jeff huschte schnell auf den Gang. Die Tür schloss er möglichst leise. Dann maschierten die beiden schon Richtung Kaffeeküche.
“Glaubst du nicht das sie sich irgendwann fragt wieso wir immer zur selben Zeit in der Küche sind?”, murmelte Jeff als sie ins Treppenhaus einbogen um einen Stock nach unten zu gehen.
“Irgendwann vielleicht.”, kicherte Michi, “Aber heute nicht, Sandra meinte heute ist sie besonders gut gelaunt.”
Die beiden waren unten angekommen und Michi hielt seinem Kollegen die Tür vom Treppenhaus auf.
“Uhh, das kann ich brauchen.”, lachte Jeff, “Ich kann dir gar nicht sagen, wie fad es ohne Nick ist.”
“Dann genieß es einfach.”
Michi warf ihm einen verschwörerischen Blick zu und versuchte nicht zu auffällig zu grinsen als die beiden um die Ecke in die Kaffeeküche gingen.
Wie es nicht anders zu erwarten war, stand vor der begehrten Maschine auch bereits ihre junge Kollegin Martina, die fleisig dabei war Wasser nachzufüllen.
“Und wie grimmig sie schaut.”, lachte Jeff innerlich, dass konnte nur erheiternt werden.
Endlich sah sie die beiden Herren und ihre Laune schien sich schlagartig zu bessern. Fröhlich begrüßte sie die beiden. Wie bereits taktisch heute in der Früh vor der Arbeit abgesprochen, fragte Michi ob er zuerst einen Kaffee machen könnte. Zuvorkommen wie sie war, sagte sie natürlich ja.
Jeff lehnte setzte sich an den kleinen Kaffeetisch, warf noch einen kurzen Blick zu seinem Kollegen und stellte dann an Martina die Frage die alles zum rollen bringen sollte.
“Wie läufts mit deiner Arbeit, Martina?”
Sie holte tief Luft, meinte dann jedoch nur, dass sie das Thema dieses mal lieber belassen wollen würde.
“Gibts leicht Probleme?”, fragte Michi in seinem fürsorglichsten Ton den er aufbringen konnte.
“Ja, wie immer, der… ahh, der Sch…, will einfach nicht!”, regte sie sich auf.
Es fiel Jeff schwer sich das Lachen zu verkneifen. Der Plan verlief gut.
Schritt eins, ihren Aufenhalt verzögern.
Schritt zwei, ihre Arbeit ansprechen.
Schritt drei, nachstochern.
“Und ab dann nur mehr genießen.”, dachte Jeff bei sich und er hatte sich bereits die Worte zurecht gelegt um Schritt drei zu erfüllen.
“Bist auf Probleme beim testen gekommen?”
Sie drehte sich von Michi zu ihm und fuchtelte mit den Händen in der Luft herum.
“Wenn ich ÜBERHAUPT schon… ahh, zum testen bräuchte ich ja schon IRGENDWAS! Aber der Dreck will ja nicht einmal so!”, fauchte sie.
Hinter ihr legte Michi die Hand auf den Griff des Kaffeetassenkasterls, wartete jedoch bis sie sich irgendwann wieder zu ihm drehen sollte, um seinen Kaffee entsprechend hinaus zu zögern.
“Dieses System ist einfach nur ein Zustand. Und was für einer! Ich mein, … ist das echt im Produktivzustand?”
“Nicht bei uns, aber ja.”, nichte Jeff ihr zu und sie schlug sich daraufhin die Hände ins Gesicht.
“Ein Zustand”, grummelte sie zwischen den Fingern hervor, dann fuhr Martina sich durchs Haar.
“Ich mein, da stehen im Code Kommentare wie, ich habs noch nicht so probiert, aber falls es nicht funktioniert, ändert es wieder auf bla bla. Was ist, ich… ahh, das geht ja nicht! Im Produktiv! Open Source gut oder schön, aber hier braucht man auch ein GEWISSES Qualitätslevel! Fff… ahhh, einfach, wääh. Undokumentiert! Schirch! Grauslig! Einfach alles!”
Sie drehte sich kurz um und Michi nahm eine Tasse aus dem Schrank, dann sah sie wieder auf ihren sitzenden Kollegen und jammerte weiter.
“Das beste war ja als ich mir heute die Datenstruktur angesehen habe. Alles redundant. Zweimal dieselbe Information, nur mit anderen Metadaten. Total… sinnlos. Naja. Ok. Später… da hab ich dann gesehen, es hat schon einen Sinn hat. Und zwar, für den Fall … ahm, ja, dass wenn die BT von der ST abweicht, dass der incrementelle Wert bei der zweiten Spalte abweichen kann…”
Sie drehte sich wieder zu Michi um.
“Aber EIN Redesign und die Daten werden nicht zigmal redundant gespeichert. WIEDERVERWERTBAR! Aber neein, wer braucht das schon wenn man TERRABYTE speichern kann??”, fragte sie ihren Kollegen der grade in diesem Moment auf die Expresso-Taste drückte.
“Noch ein Jahr und es kostet uns nichts mehr, dann können wir ja… ALLES speichern! Am besten jede Variable. Zähler i, j und k!”
Nachdem sie mit ihren Händen die ganze Zeit wild destikulierte, schlug Martina sie wieder in ihr Gesicht. Hörte anscheinend dem Mahlen der Kaffeemaschine zu, seuftzte und verschränkte sie Arme vor der Brust. Sie lies sich nach hinten gegen die Kante der lehnte fallen.
“Wisst ihr”, sie befreite eine Hand aus der Verschränkung und zeigte in die Luft, “das eigentliche Framework ist prinzipell nicht schlecht, ABER!”
Jeff äffte sie unterm Tisch mit der linken Hand nach, als Michi einen Blick zu ihm warf. Worauf er sehr unauffällig versuchen musste sein Lachen als Gähnen zu tarnen.
“Das CRM lauft ganz ok, ABER,… aber die Componenten ziehen nicht mit. Wie auch ohne Doku! So ein Pfuscher-System. Wie soll ich da jemals zum fertigstellen kommen…”
Michi nahm seinen mitlerweile fertigen Kaffee und warf Jeff einen Blick zu.
“Martina, Mike wartet oben auf seinen Kaffee, wenns dich…”
“Tue nur, tue nur.”, winkte sie ihn ab, “Wisst ihr, ihr könnts so glücklich sein, dass ihr mit gescheiten und besonders SAUBEREN System arbeiten könnts! Einfach, wääh. Ich wollte nie mit sollchen Systemen arbeiten. Nie! Ah, na. Na.”
Sie holte ihr Handy heraus und Jeff war bereits so weit, dass er zwei Tassen aus dem Kasten geholt hatte. Eine für sich und eine für Mike.
“Ich würd dem System ja eine Chance geben, aber wenn sogar die Debug Funktion verbuggt ist, dann geh… AH, Scheißdreck!”
Sie stopfe das Handy wieder in ihre viel zu kleine Hosentasche und war bereits halb aus der Küche draußen, als sie den beiden über die Schulter erklärte, dass ihr Meeting vor fünf Minuten angefangen hatte. Dann war sie bereits auch schon verschwunden.
Michi drehte den Kopf enttäuscht zu seinem Kollegen.
“Sie ist schon weg…”, jammerte er.
“Ich weiß”, Jeff lachte, “Ist es das Meeting mit Hannes über verwandte Projekt?”
“Jup.”, nickte sein Kollege.
“Eigentlich müsste sie Hannes schon so gut kennen…”, sagte Jeff und holte Milch für Mikes Kaffee aus dem Kühlschrank.
“… der ist in der nächsten halben Stunde noch nicht da.”, vollendete Michi und nippte an seinem Kaffee.
“Ja, sie war zu schnell weg.”, bemerkte Jeff ebenfalls betrübt.
“Leider, leider. Aber es gibt halt nichts bessers als einen Flamewars von ihr zum Kaffee.”
“Absolut. Müssen wir wohl heute doch darauf verzichten.”
“Mhh”, nickte Michi erneut und fragte dann jedoch lächelnd, “Hast du ihren Gesichtsausdruck bei TERRABYTE gesehen?”
Er versuchte Martinas Gestiken nachzuahmen. Jeff lachte, stellte dann seine Tasse zum Automaten und äffte Martina mit seinem Kollegen zusammen weiter nach.