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Sie sah auf die Uhr und biss sich auf die Lippen. Beim Blick der Zeiger wurde ihr Herz schneller.
“Er kommt in einer viertel Stunde”, grinste sie verschmitzt und dachte daran, wie sie sich strecke würde, um ihn zur Begrüßung zu küssen. Sie konnte es kaum abwarten.
“Vermutlich wird er in letzter Minute noch absagen”
Sie verdrehte die Augen und ging zum Schreibtisch, um dort weiter aufzuräumen.
“… und du freust dich total sinnlos.”
Einen Moment dachte sie über die Möglichkeit nach. Es war tatsächlich schon ein paar Mal vorgekommen. Ein Kribbeln füllte ihre Brust und Enttäuschung machte sich breit. Die Mundwinkel verzogen sich nach unten und sie kaute gedankenversunken auf ihren Nägel herum.
“Ihm ist das so egal, ob er dich sieht oder nicht”
Sie rieb sich die Hände ins Gesicht. Daran wollte sie nicht denken. Sie wollte ihn sehen und konnte es nicht mehr abwarten. Das Herzklopfen wurde wieder stärker.
“Wenn das so wäre”, sagte sie beton und versuchte damit selbst sicher zu klingen, “würde er ja nicht vorschlagen uns zu treffen.”
Innerlich lachte sie und dachte an die vielen unwichtigen SMS, die sie ihm in den letzten Tagen geschickt hatte und auch von ihm bekommen hatte.
“Das hast auch du vorgeschlagen.”
“Ich red’ nicht von heute”, erwiderte sie beleidigt.
“Red’ es dir doch ein, aber er ist und bleibt ein Arsch.”
Sie setzte sich im Schneiderzsitz auf den Sessel.
“Genau, jetzt hör mal zu.”
Sie seufzte und die Anspannung fiel langsam von ihr ab.
“Er will nur Sex mit dir und das weißt du doch selber.”
Ohne das sie es merkte, begann sie sich hinterm Ohr zu kratzen.
“Nur weil er jetzt keine Beziehung …”
“Möchte? Und wann möchte der werte Herr eine?”, sagte sie bissig.
“Versteh das doch.”
“Was den?”, sagte sie schroff und verdrehte die Augen. Dann stand sie auf und ging in die Küche.
“Er ist erst verlassen worden.”
Sie lachte kurz auf und beim Weiterreden schlichtete sie das dreckige Besteck aus der Abwasch in den Geschirrspüler.
“Ja und? Der Arme. Da nimmt er sich die nächst Beste, die rumläuft”, eine gespielte Pause, in der sie den Kopf überlegend zur Seite drehte, “ahm, also du, und schläft mit ihr.”
Das Besteck klapperte, als sie den Wagen hastig in die Maschine schob und zu machte.
“So war’s auch nicht.”
“Natürlich, der Arme, schon wieder. Du hilft ihm nur über diese furchtbar schwere Zeit hinwegzukommen”, murmelte sie vor sich hin und wusch sich die Hände.
“Ohne dich wäre er total zerstört.”, sie drückte zweimal auf den Seifenspender, “Sobald er über seine Ex hinweg ist, ist er es über dich auch.”
“Er ist nicht diese Sorte von Mann. Sei nicht so pessimistisch.”
“Ich bin nicht pessimistisch”, verteidigte sie sich energisch.
“Nur eine gesunde und ausgeprägte Abneigung gegen ihn. So etwas solltest du auch haben”, sagte sie und nickte dabei durch den Türstock in den Flur.
“Ich soll also so wie du niemanden vertrauen?”
“Besser als mit der rosaroten Brille durch die Welt zu laufen und sich Hals über Kopf in jeden Kerl da draußen zu verlieben”, ihre Stimme klang schnippisch, “Mädel, du bist einfach so naiv. Du vertraust jeden. Wie oft bist du, damit schon auf die Nase g’fallen?”
“Dabei ist das total unbegründet, er ist so nett.”
“Das sind doch alle. Ich mag ihn nicht. Ich kann ihn nicht leiden”, wehrte sie sich.
Ein schrilles Läuten lies sie schließlich zusammenzucken. Scheiße, ich bin mit aufräumen nicht fertig geworden, dachte sie sich und huschte von der Küche in den Flur und diesen entlang bis zur Eingangstür.
Als sie öffnete, war das Herzklopfen wieder da und das verlegene Lächeln im Gesicht.
“Hey Gabi, bin ein bisschen früher da”, begrüßte der junge Mann sie vertraut.
“Kein Problem und heute sind wir zwei ganz allein”, grinste sie verschwörerisch.
Verschmitzt lachte er und sie stellte sich auf die Zehnspitzen und gab ihn einen flüchtigen Kuss, dann deutete sie ihm, dass er hereinkommen sollte.