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Ich seufzte. Ich war nicht einmal mehr in der Lage die Situation zu beschreiben. Ein unglücklicher Zufall? Einfach nur aussichtslos? Unglücklich?
Raphael spazierte im kleinen Raum auf und ab und sah sich überall um. Den kleinen hölzernen und rustikalen Esstisch. Die Regale an den Wänden mit verschiedenen gläsernen Flaschen oder anderen seltsamen Behältnissen. Getrocknete Früchte und Pflanzen, die er noch nie gesehen hat. Die kleine Nische, die eher einer mittelalterlichen Küche entsprach als einer modernen Kochnische. Und natürlich mich, welche am Tisch saß und überlegte, wie sie die Situation lösen sollte.
“Ein Traum”, murmelte er vor sich hin und ich sah auf.
Unsere Blicke trafen sich und er ging langsam auf mich zu. Wie in Zeitlupe erschien es mir. Menschen bewegten sich so träge.
“Marlene”, flüsterte er, als er vor mir stand. Sein Blick war komisch. Was war es noch einmal?
Im nächsten Moment hatte er sich zu mir herunter gebeugt und seine Hand umfasste meinen Nacken und zog mich zu seinen Lippen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Überrascht öffnete ich den Mund, stieß ihn jedoch im nächsten Bruchteil der Sekunde von mir weg. Oho, das hätte ich von ihm nicht erwartet, dachte ich mir.
Er stolperte rückwärts und fing sich schließlich an der Küchentheke.
“Hör mir bitte zu.”, bat ich ihn, als ich aufstand. Er kam bereits wieder auf mich zu. Seine Hände griffen nach mir, doch ich wich zurück. Sein Gesicht war verzerrt als hätte ich ihm gerade eine Ohrfeige verpasst.
“Raphael.”
“… liebe es, wenn du meinen Namen sagt.”, flüstert er und erwischt mich endlich am Handgelenkt. Er zieht mich zu mir.
“Weißt du, wie sehr ich dich will.”, hauchte er mir ins Ohr.
Ich drücke ihn weg von mir und sagte ihm mit einer bestimmten Stimme, “Das hier ist kein Traum.”
“Was ist es sonst?”, lächelte er mich verschmitzt an und sah auf meinen Körper herab. Du verdammte Dreckssau, ich habe noch Klamotten an!
“Wie sollen wir sonst hier hergekommen sein?”
“Das kann ich dir erklären”, begann ich, doch er zog mich wieder zu sich. Diesmal hielt er mich fest umarmt und verbarg sein Gesicht in meinen Haaren.
“Bitte hör mir zu.”, flehte ich ihn an.
Natürlich könnte ich mich wehre, dafür sorgen, dass er bewusstlos am Boden lag oder Schlimmeres. Aber es war schließlich nicht seine Schuld, dass wir beide hier waren und normalerweise war er ein ganz vernünftiger Mann. Viel nachgedacht hat er zwar noch nie. Doch hier nahmen seine Gefühle und Emotionen überhand.
“Was hab ich davon?”, säuselte seine Stimme wieder dicht an meinem Ohr und seine Hand glitt meinen Rücken runter. Jetzt reicht es.
Sein Griff um mich wurde lose, seine Muskeln wurden locker und er glitt an mir zum Boden. Seine Augen verdrehten sich und schlossen sich schließlich bevor er vollends vor mir zusammensackte.
“Das hast du davon.”, sagte ich in die Stille und sah auf ihn herab, wie er in einer vermutlich sehr unbequemen Lage am Boden schlief.
“Was mach ich mit dem nur.”, fragte ich mich selbst und setze mich wieder zum Tisch.
Ich war wie so oft zwischen den Welten gewechselt, doch diesmal hatte ich Raphael mitgenommen. Wir kannten uns durch einige Zufälle und Kundenmeetings in meiner Arbeit. Er war wirklich ein netter Mann, einige Jahre älter als ich und durch aus attraktiv. Auch wenn es nicht ganz nach meinem Geschmack ging. Ich habe zwar erahnt, dass er mich mochte, aber so etwas hätte ich mir nicht gedacht.
“Na gut, er ist ein Mensch. Was habe ich mir erwartet.”, murmele ich vor mich hin.
Es war ein langer Arbeitstag, eine anstrengende Woche und ich kam mit der letzten Kraft hier her, um mich zu entspannen. Ich konnte unmöglich jetzt noch einmal ohne Konsequenzen wechseln. Besonders nicht mit jemanden anderes zusammen.
Ich seufzte. Dass er mit mir kam, erklärte auf jeden Fall, wieso es diesmal so schwer war, zwischen den Welten zu wechseln.
Ich spürte wie jemand vor dem Haus herumschlich. Ich rieb mir die Augen.
“Entweder Keith, Will, Nile oder Sonja.”
‘Ich bins.’, echote eine helle Stimme eines Mädchens in meinem Kopf. Es war also Sonja.
Dann sah ich zu, wie sich die Tür öffnete und die Sonne zwischen der Gestalt in den Raum herein fiel. Verwirrt hielt Sonja inne. “Wer ist das?”
“Komm erst mal rein.”, brachte ich mit einem Kopfschütteln hervor und sie folgte der Aufforderung.
Sie hatte ihr übliches braunes Leinenkleid an und ihre blonden Haare vielen ihr bis zur Taille. Ihre Flügen hatte sie wie immer her innen eng am Rücken anliegend, damit sie sich frei bewegen konnte. Sie lächelte unsicher und umrundete den Tisch um einen besseren Blick auf die Gestalt am Boden zu erhaschen.
“Ein Mensch?”, fragte sie ungläubig.
“Leider. Ich hab ihn unabsichtlich mitgenommen.”
Sie sah auf, “Wieso liegt er da?”
“Mh.”
“Er ist nicht gefährlich oder?”, Sonjas Stimme klang unsicher.
“Er ist ein Mensch.”, erwidere ich genervt.
“Deswegen wunderts mich ja, dass du ihn einfach da liegen lässt.”, sie ging um den Tisch und setzte sich mir gegenüber.
“Schaut unbequem aus, wie er da liegt.”
Ich seufzte noch mal.
“Ich wecke ihn gleich auf.”, erkläre ich ihr und drehte mich bereits zu Raphael.
“Und was machst du dann?”, fragt sie neugierig.
“Ihm erklären, wo wir hier sind.”
Ich sah sie im Augenwinkel nur nicken. Natürlich hatte sie nichts dagegen, dass ich ihm erkläre, wo wir hier sind. Es war nicht so, als würde es irgendwas ändern oder das er jemals aus eigener Kraft es wieder in diese Welt schaffen würde. Wenn ich es mit ihm überhaupt wieder in die der Menschen zurückschaffe.
Ich hob die linke Hand über den Mann und er reckte sich am Boden. Es dauerte ein wenig, bis er wach wurde und verwirrt die Augen aufmachte. Fragend sah er mich an, als wäre er sich unsicher, was passiert wäre. Dann viel sein Blick auf Sonja, die ihn darauf spontan grüßte.
Ich lachte kurz auf, als er einen Satz nach hinten machte und sich den Kopf an der Küchentheke anschlug. Ich beschloss die Initiative zu ergreifen, bevor er wieder auf Blödsinn kam.
“Wir sind hier in einer parallel Welt der Welt die du kennst. Hier gibt es keine Menschen.”, ich deutete in meiner ungenauen und stark vereinfachten Erklärung auf Sonja. Sie lachte und breitete ihre Flügel demonstrativ im Raum auf.
Amüsiert sahen wir auf den Mann, der scharf die Luft einzog und ungläubig zwischen uns hin und her schaut.
“Sie ist auch kein Mensch.”, grinste Sonja ihn verschwörerisch an und beugte sich dabei über den Tisch, um besser auf mich zeigen zu können. Woraufhin er mich entsetzt ansah.
“Kurzfassung: Diese Welt wurde von Wesen erschaffen, nachdem die Menschen begannen, systematisch jagt auf sie zu machen oder ihre Regionen einzunehmen. Dir fallen sicher genug Geschichten zu Fabelwesen ein. Dir muss nur bewusst werden, dass es sie wirklich gab, also eigentlich immer noch gibt. Nur nicht mehr in der Menschenwelt. Naja mit Ausnahmen.”, verbesserte ich mich.
“Wirklich? Es gibt dort noch welche? Also, andere außer euch.”, Sonja hatte ihre Augen weit aufgerissen und hatte eine Augenbraue ungläubig hochgezogen.
“Ja, aber nicht viele.”, sagte ich zu ihr gewandt, drehte mich dann jedoch wieder zu Raphael am Boden. Er schien einfach nur verwirrt zu sein.
“Jedenfalls kamen die Erschaffer dieser Welt nicht hier, sondern beschlossen bei den Menschen zu bleiben und sich unter ihnen zu verstecken. Das ist über die Jahrhunderte nur etwas in Vergessenheit geraten. Die meisten Nachfahren wissen gar nichts mehr davon. Um auf den Punkt zu kommen, bin ich ein Nachfahre dieser Weltenerschaffer und komme hier regelmäßig her.”
Er sah mich an als würde ich ihm erklären, dass am Himmel blaue Schweine fliegen, wenn man einen Teller Spaghetti im Wald vergräbt.
“Diesmal bist nur du leider irgendwie mitgekommen.”, beendete ich meine Geschichte und sah ihn zufrieden an. Bessere Entwicklung als zuvor.
Schweigend sah weiter zwischen uns hin und her, bis er schließlich leise flüstert: “… ein Traum sein.”
Das gab es ja nicht. Wer es nicht so verstehen will, versteht es wohl nur auf die harte Tour. Ich stand auf, kniete mich vor ihm ihn und verpasste ihm eine Ohrfeige. Schockiert sah er mich an.
‘Du hast ihn angefasst!’, schrie Sonja ebenfalls schockiert in meinem Kopf. Wenn man bei Menschen aufgewachsen ist, ist es schon schwer Trilanen zu verstehen.
“Das ist kein Traum, verstanden?”, paffte ich ihn ins Gesicht.
Der Mann nickte unsicher. Sehr gut, jetzt hat er es verstanden. Jetzt blieb nur mehr die Frage, was ich mit ihm tun sollte. Er musste möglichst schnell zurück. Menschen waren hier nicht unbedingt willkommen. Sonja war diesbezüglich eine erfrischende Ausnahme. Aber ich bin mir sicher, sobald er ihr zu langweilig werden würde oder etwas in Ihren Augen Unhöfliches tat, würde sie ihn ebenfalls umbringen. Und bei Trilanen gab es so viele Verbaltenkodexe.
Außerdem war hier noch die Umgebung mit der Menschen nicht klarkommen. Soweit ich weiß fühlen sich Menschen hier als hätten sie Drogen genommen. Sie haben das Gefühl sich leicht zu fühlen, obwohl alles unwirklich scheint, und verbinden dies es mit der Wahrnehmung in Träumen. Auch die menschlichen Gefühle spielen hier verrückt und Raphael scheint mir nicht jemand zu sein, der hier damit klarkommen würde.