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“Woher weißt du was ein Rasinko ist?”, Will sah mich schockiert an.
“Das weiß ich eben nicht.”, erwiderte ich genervt, “Deswegen frag ich euch ja.”
“Von wo hast du dann das Wort?”, Will blieb diesbezüglich wirklich hartnäckig.
“Ich habe es in einer Aufzeichnung gelesen. Aber es stand nichts Genaueres dabei.”
“Würde mich auch wundern.”, warf Nile ein.
Ich sah zu Nile hinüber. Bisher habe ich ihn selten in einer ernsten Stimmung gesehen. Was zur Hölle waren das für Wesen?
“Weißt du, dass ist ein sehr heikles Thema.”, versuchte mir Sonja zu erklären, “Diese, ahm, Wesen gibt es hier eigentlich nicht.”
“Ihr solltet es ihr erklären.”, sagte Keith, ohne von seinen Pfeilspitzen aufzuschauen, die er gerade präparierte. Will seufzte.
“Ich kann dir nur sagen, was wir darüber wissen …”
“Mehr will ich auch nicht wissen.”, unterbrach ich Will. War dieses Thema wirklich so unangenehm. Um was sollte es schon gehen?
“Verstehe. Also Rasinko sind im Grunde verstoßene Magische. Sie waren damals gegen den Weltenwechsel. Soweit ich weiß, wurden sie damals in die Menschenwelt verbannt mit einem Zauber oder so.”
“Es war ein Fluch.”, verbesserte ihn Keith.
“Kann sein. Auf jedenfalls könnten Sie nicht mehr in diese Welt wechseln und haben ihre Erinnerungen verloren.”
Ich sah zwischen Will, Nile und Sonja hin und her. Alle blickten mich ernst an.
“Ich verstehe es immer noch nicht. Wieso sind sie dann so schlimm? Ihr kommt ja nicht mehr mit ihnen in den Kontakt. Außerdem, wenn es so lange her ist, dann müssten sie es doch vergessen haben? So wie unsere Nachkommen?”
“Sie haben es nicht vergessen.”, zischte Nile und stand auf.
“Ich bin auf Rundgang.”, murmelte er und verschwand, ohne auf eine Antwort zu warten aus dem Versteck. Irritiert sah ich ihm nach.
“Ein Rasinko hat seine Familie erwischt.”, klärte mich Sonja auf.
“Der Unterschied zu euch”, führte Will fort, “ist, dass sie sich nicht freiwillig aussuchten, alles zu vergessen. Ihr Bluterbe hegt immer noch einen Groll auf uns. Normalerweise können sie auch nicht in diese Welt, aber wenn jemand mit ihnen hier her wechselt, so bricht der Zauber, Fluch, was auch immer und beginnen zu töten.”
“Sie verlieren ihren Verstand, ihr Blut übernimmt die Kontrolle und sie töten jeden magischen.”
Entsetzt sah ich Sonja an. Jeder in dieser Welt ist magisch, dachte ich. Selbst wenn ein Wesen die Magie nicht benutzen kann, so haftet an seinem Körper diese Macht, weil alles hier davon durchzogen ist. Rasinkos töten somit alles. Alles und jeden.
“Der letzte Rasinko der hier war, war angeblich schon alt und starb einfach, kurz, nachdem er seine Rache begonnen hatte.”
“Dauerte nur über ein Jahr.”, ergänzte ihn Keith wieder.
Ich verzog das Gesicht. Die Zeitrechnung war hier zwar eine andere, aber ein Jahr war immer noch ein langer Zeitraum. Wenn er in dieser Zeit alles tötete, dem er begegnete, war es dennoch eine Katastrophe.
“Die schlimmste Geschichte, von der ich gehört habe, war als drei Rasinkos es in diese Welt geschafft haben. Angeblich soll einer der Meerleute ihn hergebracht haben, um sich an seinen Geliebten zu rächen. Aber sie begannen jeden zu töten. Der Fluss nach dem Gebirge, der Nemsus, soll rot von dem verflossenen Blut gewesen sein.”, erzählte Will und zeigte mir im Kopf Bilder von einem breiten Fluss mit einer rötlichen Farbe. Am Horizont sah man eine Gestalt mit anderen kämpfen. Nach und nach vielen sie um.
“Sie waren hier in der Nähe?”, fragte ich schließlich nach.
“Überall. Sie waren überall. Sogar im südlichen Gebieten der Drachen!”, sagte Sonja.
“Angeblich konnten die Drachen auch zwei von ihnen töten. Aber so genau weiß das keiner. Irgendwann hörte das Morden auf. Aber es dauerte lange. Ein paar Jahrhunderte. In der Zeit konnten sich die Drachen sogar nur von den Leichen ernähren. Zwischen uns allen gab es kaum Kriege. Jeder hatte Angst vor den Rasinkos.”
“Man sagt sogar, dass man es in ihrer Aura spürt. Den Wunsch zu töten. Es lässt dich vor Angst nicht denken. Dein ganzer Körper wird eingenommen. Das Einzige was du tun kannst ist rennen und hoffen, dass sie jemanden anderen sehen und du entkommen kannst.”, Sonjas schüttelte es als sie mir versuchte zu erklären, wie sich die Gegenwart eines Rasinkos anfühlte.
“Und Nile?”, sagte ich vorsichtig.
“Hat nie einen getroffen.”, erklärte Keith und sah zum ersten Mal auf, “Zu seinem Glück.”
Will nickte und stimmte ihm stumm zu. Dann erklärten sie mir kurz, dass er die Überreste seiner Familie fand, wobei sie nicht genau wusste, um wen es sich genau handelte. Niemand von uns wusste genau die Hintergründe der anderen. Dies gehörte alles zur Vergangenheit. Dabei sollte ich es auch lassen und wollte ich auch. Ich musste Nile nicht unnötig an unangenehme Dinge erinnern.